Bundesrat Berset will den Kantonen die zweite Landessprache in der Primarschule per Gesetz aufzwingen. Damit macht er alles noch schlimmer.

David Angst, david.angst@thurgauerzeitung.ch

Frühfranzösisch oder eine andere zweite Landessprache soll im Sprachengesetz verankert werden. Dies hat Alain Berset gestern mitgeteilt. Dass er in seiner Begründung auf die Bundesverfassung und auf den Sprachenkompromiss von 2004 hinweist, ist zwar nicht unberechtigt. Damals hatten sich die Kantone auf eine Sprachenstrategie geeinigt. Wenn der Thurgau und weitere Kantone nun unvermittelt ausscheren, so müssen sie sich nicht wundern, dass andere vor den Kopf gestossen sind.

Alain Berset will mit seinem Sprachengesetz einen Flächenbrand verhindern. Damit zeuselt er aber erst recht am Pulverfass. Kommt es zu einer nationalen Volksabstimmung, drohen Trotz und Streit zwischen den Landesteilen. Und egal, wer gewinnt; der nationale Zusammenhalt ist am Ende wohl stärker beschädigt, als wenn nun einige Kantone aus dem Kompromiss ausscheren.

Der Thurgauer Weg mit einer Verlagerung der Lektionen auf die Oberstufe jedenfalls ist noch keine Bedrohung für den Zusammenhalt der Schweiz. Denn das Ziel ist explizit, dass die Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit mindestens so gut Französisch können wie jetzt mit Frühfranzösisch. Vielleicht bringt dieser Weg sogar noch mehr Verständnis für die Compatriotes hervor, weil die Schüler reifer sind.

Die Bildung ist abgesehen davon immer noch kantonales Hoheitsgebiet, und der Bund sollte den Kantonen bei der Auslegung des besagten Verfassungsartikels grösstmögliche Freiheiten lassen. Die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill jedenfalls kann nur hoffen, dass dies die anderen Erziehungsdirektoren auch so sehen und Berset in ihren Stellungnahmen bremsen.

© Thurgauer Zeitung, 7. Juli 2016