Leserbrief von Rudolf Richner, Zürich, in der Neuen Zürcher Zeitung vom 5. Juli 2016

In der Pisa-Erhebung 2009 wurde festgestellt, dass 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler die minimalen Leistungsziele der 9. Klasse nicht erreichen. Das bedeutet, dass ein grosser Teil der B-/C-Sekundarklassen ihre Lernziele bei weitem nicht erreichen – eine dramatische Situation.

Nach einigen Jahren Bedenkzeit will die Bildungsdirektion jetzt im Rahmen eines Pilotprojekts einige «Pflästerli» anbieten (NZZ 29. 6. 16). Es ist zum Davonlaufen. Zuerst wird mittels Lehrplan jedem Schüler das gleiche Schulprogramm verpasst, dann wird die Sek C abgeschafft und die Sekundarstufe so organisiert, dass z. T. Klassen mit A-, B- und C-Schülern entstehen. Die schwachen Schüler werden so natürlich masslos überfordert. Aber anstatt zu angemessenen Strukturen zurückzukehren, wird wieder einmal eine Projektgruppe auf die Beine gestellt und mit viel zusätzlichem Aufwand und Bürokratie eine Alibiübung inszeniert. Wann kehrt wieder gesunder Menschenverstand und eine Pädagogik, die diesen Namen verdient, in unsere Schulen zurück?