Die Erkenntnis aus Simone Pfenningers Studie, dass frühes schulisches Sprachenlernen wenig Erfolg zeigt und Spätlerner rasch aufholen, passt nicht zum aktuellen Sprachenkonzept der Primarschule (NZZ 29.6.16). Es versteht sich von selbst, dass die Erziehungsdirektorenkonferenz keine Freude hat an solch klaren Aussagen. Doch was diese Linguistin an unqualifizierten Anschuldigungen in den letzten Wochen einstecken musste, liegt nicht mehr im grünen Bereich. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass es beim Sprachenlernen in der Primarschule nicht rundläuft. Doch die Erziehungsdirektorenkonferenz verschliesst Augen und Ohren. Man hofft, dass alle kantonalen Abstimmungen für eine Verschiebung der zweiten Fremdsprache auf die Oberstufe scheitern werden. Doch kann dies wirklich die Art und Weise sein, wie in unserem Land ein echtes pädagogisches Problem behandelt wird?

Die Sprachenfrage kann allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Damit meine ich nicht primär den sprachpolitischen Aspekt, sondern den Gesamtauftrag der Volksschule. Ein Blick auf den neuen Lehrplan zeigt, dass das Bildungsprogramm der Primarschule reich befrachtet ist. Sechstklässler sollen sich neu stärker mit Natur und Technik auseinandersetzen, in die Informatik eingeführt werden, noch mehr ins Fremdsprachenlernen investieren und im Deutsch mehr Sicherheit gewinnen. In kaum einem Kanton werden aber die nötigen Rahmenbedingungen durch mehr Halbklassenunterricht oder Entlastungen in andern Bildungsbereichen erreicht. Die Sprachenfrage muss mit Blick auf den erweiterten Auftrag der Primarschule so gelöst werden, dass den Kindern ohne Hektik das Wesentliche vermittelt werden kann.

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf