Leserbrief, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 23. April 2016

Es ist angerichtet! Zumindest vorläufig. Am vergangenen Freitag tischte uns Bildungsdirektorin Silvia Steiner den Entwurf des Lehrplans 21 auf, zugeschnitten auf die Verhältnisse an der Zürcher Volksschule (NZZ 16.4.16). Viele Köche haben an seiner Entstehung mitgewirkt. Herausgekommen ist aber ein nur schwer bekömmliches Gericht, von dem manch ein Brocken in dieser Form wohl in manchen Hälsen stecken bleibt. Am Esstisch der Bildung sitzt eine vielfältige Runde: Politikerinnen, Pädagogen, Steuerzahlende mit und ohne Kinder- und schliesslich die Schülerinnen und Schüler, die auch in der Vernehmlassungsphase nicht um ihre Meinung gefragt werden. Umso sorgfältiger und kindergerechter müssten die Verantwortlichen die Teller anrichten und portionieren. Mit Vernunft und Augenmass. Die Köche haben jedoch versagt. Der Lehrplan 21 ist alles andere als appetitanregend; ja er kommt für viele Betroffene gar unverdaulich daher. Etwa mit weniger Handarbeitslektionen und noch mehr kopflastigen Fächern. Dieser Lehrplan schmeckt uns nicht.

Es ist zu hoffen, dass das vorläufig aufgetragene Mahl nochmals in die Küche zurückgetragen wird. Wir sind es unseren Kindern schuldig. Doch zu bezweifeln ist, dass das Menu in der Vernehmlassung noch wesentlich an Geschmack und Verdaulichkeit gewinnt. Und es steht zu befürchten, dass es uns danach in letzter Instanz vom Bildungsrat erneut in ähnlich unbekömmlicher Form und unwiderruflich serviert wird. Über dieses Menu sollten daher die Stimmbürger des Kantons Zürich zu Gericht sitzen dürfen. Die entsprechende Initiative «Lehrplan vors Volk» ist zustande gekommen. Zum Glück!

Max Knöpfel, Pfäffikon (ZH)