Kommentar von Thomas Dähler, Basler Zeitung

«On ne peut pas apprendre une langue sans ­vocabulaire»: So ­formulierte es der Bildungsdirektor des zweisprachigen Kantons ­Wallis gestern an der Medienkonferenz in Bern. Manchmal reichen ­Binsenwahrheiten, um Korrekturen einzuleiten. Dass sich die sechs ­Kantone Baselland, Basel-Stadt, Wallis, Freiburg, Solothurn und Bern nur gerade bei der Wahl von Französisch als erste Fremdsprache wirklich einig sind, konnten die Bildungs­direktoren gestern in Bern nicht verbergen. Doch dank der Schulharmonisierung ziehen sie jetzt dennoch alle am gleichen Strick und korrigieren das Früh­fremdspra­chen-­Konzept Passepartout. Für die Kritiker der Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’œil» ist das ein Erfolg. Für die Schülerinnen und Schüler sogar ein eminent wichtiger. Ob Schüler beim Schulaustritt einigermassen korrekt Französisch oder Englisch sprechen können, ist nämlich keineswegs nur eine Nebensache.

Offen bleibt aber in jedem Fall die Frage, ob die angekündigten Korrekturen genügen. Trotz bald verbesserter Lehrmittel bleibt die Schwierigkeit, dass die Primarschüler zwei Sprachen quasi gleichzeitig und mit einem geringen Stundenkontingent erlernen müssen. Zwar gibt es viele Bemühungen, Schüleraustausche zwischen den Sprachgruppen zu organisieren oder Projekte mit ­Fremsprachen in anderen Fächern zu realisieren. Doch für die meisten wird es auch in Zukunft bei isolierten Einzelstunden in Französisch oder Englisch bleiben. Es wäre deshalb wichtig, auch den Beginn und die Intensität des Fremdsprachen­unterrichts im Auge zu behalten.

Ungelöst ist zudem das grösste ­Defizit der sprachlichen Harmonisierung: Die Kantone haben die ­unterschiedlichen Reihenfolgen der Sprachen zementiert. Für eine ­Willensnation wie die Schweiz kann dies nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Die voreilige Behauptung, zum Schluss beherrschten die Schülerinnen und Schüler in allen Landes­teilen die Fremdsprachen etwa gleich gut, wird überprüfbar sein, wenn die ersten Harmos-Schüler im Erwachsenenleben stehen.

Die Zusammenarbeit der Kantone hat jetzt immerhin aufgezeigt, dass die verantwortlichen Bildungsdirektoren in der Lage sind, auf die Signale aus den Schulzimmern zu hören und darauf auch angemessen zu ­reagieren. Das ist ein gutes Zeichen: Bei allem Streben nach persönlicher ­Profilierung bleibt es wichtig, dass Entscheidungen im Bildungsbereich nicht nach politischen Kriterien, ­sondern nach dem effektiven Sachverhalt gefällt werden. Sprachkenntnisse sind messbar. Schulreformen sind, wenn nötig, korrigierbar.

© Basler Zeitung vom 24. Juni 2016