Leserbrief von Walter Meier, erschienen im Mai 2011 in der Neuen Luzerner Zeitung. Bezugnehmend auf den Artikel „Seklehrer kämpfen gegen neues System“ vom 3. Mai 2016.

Ich arbeite seit über 30 Jahren als Klassenlehrer an der Oberstufe. Noch knapp zwei Monate. Dann ist Schluss. Die kantonale Dienststelle Volksschulbildung (DVS) gibt die neue Marschroute vor. Schreibtischtäter setzten sich in Szene, einmal mehr. Entwickelten, fernab vom schulischen Alltag – unter dem Deckmantel «Zum Wohle des Schülers» – ein neues, sogenannt ziel- und lösungsorientiertes Modell: «Integrative Förderung» ist angesagt. Lernschwache, verhaltensauffällige Schüler aus der Werkschule/Niveau D werden ins Niveau C integriert. Ich habe bis jetzt immer geglaubt, Jugendliche mit derartigen Vorgaben bräuchten eine Bezugsperson, die ihnen mehr als nur Förderunterricht in Mathe und Deutsch verabreicht. Ich lag wohl falsch.
Wie auch immer. Ich ziehe den Hut vor den 43 Sekundarlehrern in Kriens, die ihren Unmut gegen die Einführung der Integrativen Förderung bekunden. Dass sich die Beamten der kantonalen DVS und ihre eigene Obrigkeit den offenen Brief der Lehrerschaft wohl mitleidig zu Gemüte führen, weiterhin aber unverdrossen Kurs in die falsche Richtung nehmen, erstaunt mich nicht. Bin zu lange schon im Geschäft, um in Sachen «Schulreformen» an das Gute zu glauben.


Zynismus ist in dieser ernsthaften Angelegenheit beileibe nicht angesagt Und doch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin sicher, dass sich die Beamten der obgenannten Dienststelle in ein paar Jahren an das bewährte Modell «Werkschule/Niveau D» zurück erinnern werden. Das heisst im Klartext: Lehrer in Kriens, zieht euer Ding durch!



Walter Meier, Hergiswil