Leserbrief von Walter Meier, erschienen am 5. September 2002 in der Neuen Luzerner Zeitung. Bezugnehmend auf den Artikel „Lehrer sind immer unzufriedener“ vom 30. August 2002.


Sie sind also immer unzufriedener. Gründe dazu gibt es anscheinend zuhauf. Unerfreuliche Entwicklungen im Schulwesen, zusätzliche Aufgaben ausserhalb des Unterrichts und grosse zeitliche Belastung stehen mitunter an der Spitze des vorzeitigen Rückzugs aus dem Schuldienst. Schade, dass solche Gesichtspunkte viele Lehrkräfte in ihrer täglichen Arbeit derart in Beschlag nehmen, dass ihr eigentlicher Auftrag – Schule geben – zweitrangig wird.
Seit 1973 «gebe» ich Schule. Mir geht es gut, noch gut. Oft frage ich mich, wieso, weshalb, warum macht mir die Arbeit auch heute noch Spass? Ich meine, eine Sache ist ausschlagge-bend: mein zum Zweifel neigendes Verhältnis gegenüber der Obrigkeit. Ich bin nicht gegen Neuerungen, ich bin nur gegen schlechte Ideen. Oft warte ich ab, nehme nicht jede Verbes-serung des Bestehenden für bare Münze. Nicht selten verlaufen so genannte Reformen nach kurzen Jahren im Sande, aus welchen Gründen auch immer. Was soll ich da auf einen führerlosen Schnellzug aufspringen, in der Gewissheit, dass er zwar wie von der Tarantel gestochen losbraust, jedoch jeglichen Sinn für Tempo, Richtung und Wohlbehagen vermissen lässt.
Die Obrigkeit darf arbeiten. Ideen, Pläne, Modelle entwerfen, für wen auch immer, jahrein, jahraus. Nur eben, ich lasse mir meinen Schritt in die richtige Richtung nicht nehmen; den Spass, die Freude an meiner Arbeit – von wem auch immer – nicht vermiesen!

Walter Meier, Hergiswil