Zur „Kompetenzorientierung“ im Lehrplan 21 heisst es in den „Grundlagen für den Lehrplan 21“ der Erziehungsdirektorenkonferenz D-EDK: „Nach dem Pädagogen Franz E. Weinert umfassen Kompetenzen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, aber auch Bereitschaften, Haltungen und Einstellungen, über die Schülerinnen und Schüler verfügen müssen, um neuen Anforderungssituationen gewachsen zu sein“.

Dieses Konzept der „Kompetenzorientierung“ wurde von Weinert in den 1960er Jahren für die Wirtschaftsorganisation OECD konstruiert und umfasst demzufolge nicht nur das traditionelle Lernen, sondern auch Verhaltensänderungen, die bisher Sache des Elternhauses waren. Die OECD meinte 1961 dazu: „Diese jahrhundertealten Einstellungen zu verändern, ist vielleicht die schwerste, aber auch die vordringlichste Aufgabe der Erziehung“. Diese „Kompetenzorientierung/-steuerung“ zielt nicht auf Selbständigkeit sondern auf unhinterfragte Anpassung an Vorgaben wie dem PISA-Ranking der OECD.

Die Kombination der «Kompetenzorientierung» mit dem «Konstruktivismus» im Lehrplan 21 erlaubt die gezielte Einflussnahme auf die Persönlichkeit der Schüler mittels der obligatorischen LP21-Lehrmittel. Das „selbstgesteuerte Lernen“ und die konstruktivistischen Lehrmittel drängen den «Lernbegleiter» förmlich aus dem Lernprozess hinaus, Lehrmittelzwang wird zum Methodenzwang. Ein Beispiel ist das Projekt „Energiewende beginnt im Kindergarten“, mit dem das Bewusstsein für die Umsetzung „visionärer Ziele“ bereits bei Kindergartenkindern eingepflanzt werden soll (St. Galler Tagblatt vom 9. November 2016 http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/ostschweiz/tb-os/Energiewende-beginnt-im-Kindergarten;art120094,4816871#newest). Eine wichtige Rolle zur Beeinflussung der Kinder spielt das Lehrmittel «Globi und die Energie» mit der bekannten Kinderbuchfigur, das in Zusammenarbeit mit dem Verein „Energietal Toggenburg“ entwickelt wurde. Allerdings ist die Idee nicht neu, schon im letzten Jahrhundert begann man den „neuen Menschen“ im Kindergarten zu formen.

Bei der vorgesehenen Einstellungsveränderung sind jedoch nicht nur die Kinder Zielpersonen, wie man einer Schulleiterarbeit zum Lehrplan 21 entnehmen kann. (https://www.eduzis.ch/documents/10/Kompetenzorientierung_Durch_Innovation_zur_Faszination.pdf) Dort heisst es: „Kompetenzorientierung greift direkt in das soziale System Schule ein“: «Der Bildungsraum wird pertubiert [ver/zerstört], das System verändert sich. Individuelle Wahrheiten der Eltern, Schülerinnen und Schülern, Schulpflegen, Schulleitungen und Lehrpersonen werden irritiert oder erschüttert und müssen neu konstruiert werden». Widerstand soll mit den Methoden des „Change-Management“ begegnet werden. Das würde vor allem Lehrer, die das bewährte Schulsystem hochhalten, treffen. Ihnen könnte man mit dem Zaunpfahl winken und die Kündigung folgendermassen nahe legen: «Es braucht gegebenenfalls Personalveränderungen: Manchmal ist der einzige Weg, eine Kultur zu verändern, ein personeller Wechsel.» (http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/Schulbehoerden-kaempfen-mit-allen-Mitteln;art123841,4817043

Peter Aebersold, Zürich