10 Jahre nach der Umstellung auf die „Kompetenzorientierung“ (nach Weinert-/OECD) in Deutschland im Jahre 2005, fällt die Bilanz für die am meisten reformierten Bundesländer vernichtend aus. Das «Musterländle» Baden-Württemberg stürzte 2015 mit Fratton-«Gemeinschaftsschule» völlig ab. Die Zahl der Schulabbrecher und Schulabgänger, die nicht für den Arbeitsmarkt vermittelbar sind, nimmt dramatisch zu.

Gleichzeitig hat die auf Vorstoss der SPD 2011 abgeschaffte Wehrpflicht in Deutschland zu einem Rekrutierungsproblem geführt. Immer weniger Junge sind bereit, freiwillig das Vaterland am Hindukusch usw. zu verteidigen. Jetzt will die Bundesverteidigungsministerin mit einer neuen Personalstrategie mehr Soldaten für die Bundeswehr gewinnen. So sollen jetzt auch Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss eine Chance bekommen. Die bisherige Altersgrenze soll aufgehoben werden. Bewerber ohne Schulabschluss sollen bei der Bundeswehr den Abschluss nachholen können, wenn sie sich als Zeitsoldaten verpflichten. Sie sollen eine „auf die individuellen Bedürfnisse des Jugendlichen massgeschneiderte Förderung“ bekommen, die sie in der reformierten Schule offenbar nicht erhalten haben.

Paradox ist, dass in „kompetenzorientierten“ Schulen mit dem „selbstgesteuerten Lernen“ Üben und Drill verpönt sind, während bei der Ausbildung im Kriegshandwerk härtester Drill an der Tagesordnung ist. Bei uns sind es ebenfalls die gleichen Kreise, die mit dem Lehrplan 21 den Umbau unseres bewährten Bildungssystems auf die „Kompetenzorientierung“ der OECD vorantreiben und gleichzeitig die allgemeine Wehrpflicht abschaffen möchten.

Peter Aebersold, Zürich