Leserbrief vom 20. April 2016 im St. Galler Tagblatt, bezugnehmend auf den Artikel «Regierung hält nichts von HarmoS-Austritt» Ausgabe vom 15. April 2016

Im Artikel «Regierung hält nichts von HarmoS-Austritt» wird der Standpunkt der Regierung wiedergegeben, der leider nach wie vor nicht den Tatsachen und den Zielen einer starken St. Galler Volksschule entspricht. Eine (knappe) Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmte 2008 sinnvollerweise für eine moderate Annäherung der kantonalen Schulsysteme, soweit es heutzutage aus Mobilitätsgründen wünschbar wäre.

Im HarmoS-Konkordat sind nur 10 von 21 Deutschschweizer Kantonen. Die Mehrheit der Kantone ist nicht gezwungen die längst sichtbar schädlichen Vorgaben von HarmoS und bald auch vom Lehrplan 21 zu erfüllen. Sie können von Fall zu Fall frei entscheiden, was sie für richtig erachten, wie z. B. im Thurgau oder in Appenzell Innerrhoden die Fremdsprachen-Frage eigenständig und vernünftig gelöst wurde.

Bundesrat Berset hat weder in der Bundesverfassung noch im eidgenössischen Sprachengesetz eine Handhabe zentralistisch einzugreifen. Die Bundesverfassung hält fest: «Für das Schulwesen sind die Kantone zuständig» (BV Art. 62,1). Diesen bewährten Föderalismus in der Bildung und Erziehung als «Kantönligeist» abzutun ist billige Stimmungsmache.

Der Verein Starke Volksschule St. Gallen hat nicht, wie im Bericht erwähnt, eine Einzelinitiative, sondern eine von rund 7000 stimmberechtigten St. Gallerinnen und St. Gallern unterzeichnete Initiative eingereicht.

Starke Volksschule St. Gallen wehrt sich gegen die von aussen erzwungenen Experimente an unseren Kindern – wie zum Beispiel altersdurchmischtes, selbstgesteuertes Lernen; gegen den Leistungsabbau in den Grundlagenfächern Lesen, Rechnen, Schreiben. Der Verein steht aber ein für Elternrechte, unser bürgernahes Schulwesen, einen guten, wenn möglich in Jahrgangsklassen geführten Unterricht mit Jahrgangszielen, Methodenfreiheit und brauchbares Schulmaterial. Siehe: www.starkevolksschulesg.ch.

Unsere Schulen sind im Allgemeinen noch resistent gegen die Auflösungserscheinungen Richtung Lehrplan 21. Wir wollen aber auch in Zukunft nicht eine Schule von Bürokraten und von Testagenturen, sondern eine bürgernahe Volksschule für unsere Kinder. Deshalb braucht es ein «Ja zum Ausstieg aus dem gescheiterten HarmoS-Konkordat».

Heinz Herzog, Medienverantwortlicher Starke Volksschule St. Gallen