Leserbrief von Wolfgang von Biezen zum Artikel «Primarschüler sollen programmieren lernen» in der «Schweiz am Sonntag» vom 19. Juni 2016

Die „Causa Hildebrand“ noch gut im Gedächtnis, reibt man sich die Augen und staunt. Was haben der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, der weltweit grösste Vermögensverwalter BlackRock mit der Digitalisierung der Schweizer Primarschule und dem Lehrplan 21 zu tun? Ein Teil der Antwort darauf liegt schon ein paar Jahre zurück.

Als Al Gore 1995 als Vize Präsident der USA und mit grosser Unterstützung der Clinton Administration das weltweite! Programm „Schule ans Netz“ ausrief und der Welt dazu 5 Jahre Zeit einräumte, dachten seinerzeit viele, so etwas sei eigentlich nicht möglich, es klinge nach US-amerikanischem Grössenwahn. Weit gefehlt: Bereits fünf Jahre später, nach dem ehedem noch unbekannten Fahrplan sozusagen, empfahl der damalige Aargauische Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartements mit Assistenz der Telecom unter tatkräftiger Mithilfe der Jacobs-Stiftung, Zürich, dringend und mit grossem medialen Getöse allen Schulen im Kanton die Installierung eines kostenlosen Internetanschlusses. Andere Erziehungsdirektoren in anderen Kantonen folgten. Das digitale Zeitalter war, den ‚Erfordernissen der Wirtschaft‘ entsprechend, in der Schweiz angekommen. Natürlich hat heute jedes Schulkind mehr oder weniger umfangreiche Kenntnisse mit elektronischen Medien. Das ist gut so. Was allerdings bedenkenswert ist, ist der Umstand, dass eingangs erwähnter Al Gore als hochrangiger Berater bei Google fungiert und äusserst erfolgreich im Vorstand von Apple Geschäfte macht. Und hier liegt auch die Antwort auf die am Anfang gestellte Frage. Der Lehrplan 21, nach US amerikanischen Vorgaben über ihre europäische Wirtschafts-, Finanz- und Gesellschaftsagentur OECD an die Schweiz individuell angepasst, mit viel Geld und Überzeugungsarbeit von Bertelsmann und Jacobs-Stiftung angeschoben, unter anderem in über acht Jahren im Geheimen an den (pädagogischen) Hochschulen des Landes und der EDK ausgebrütet, hat hier seinen Ursprung.

Auffallend in der Diskussion ist, dass heute aufgeklärte Mitbürger, vor allem die vom Lehrplan 21 betroffenen Lehrer, welche vehement und klar gegen die Übernahme der europäischen und insbesondere der Schweizer Wirtschaft durch US amerikanische Konzerne mittels TTIP votieren, beim Lehrplan 21 scheinbar resigniert die Hände in die Hosentaschen stecken.