Leserbrief «HarmoS: Entledigen wir uns der Fesseln», erschienen am 3. Mai 2016 im St. Galler Tagblatt. Bezugnehmend auf den Artikel «Klares Bekenntnis zu HarmoS», Ausgabe vom 28. April 2016.

Die Kantonsratssitzung vom 27. April 2016, an der über die Initiative «Ja zum Ausstieg aus dem gescheiterten HarmoS-Konkordat» debattiert und abgestimmt wurde, hat mich optimistisch gestimmt.

Die Initiative spricht Probleme der Schulpolitik an, die viele betroffene Eltern und Lehrer, aber auch Politiker beschäftigen, wie beispielsweise das verfehlte Frühfremdsprachen-Diktat der EDK, der überschiessende Zentralismus und die überbordende Bürokratie. «Die versprochene Harmonisierung entpuppt sich als Mogelpackung», resümiert Kantonsrat Bruno Dudli.

Leider operiert Regierungsrat Kölliker mit Unterstellungen, die wir so nicht stehen lassen wollen: Wie der W&O berichtet, sagte er: «Sie (die Initianten) werden uns mit weiteren Initiativen eindecken, weil sie mit der Schule grundsätzlich nicht zufrieden sind.» Damit werde aber die Qualität gefährdet. … Wenn der Kanton aus HarmoS austrete, werde der Bund eingreifen.

Die Zwängerei der EDK, welche die Handlungsfreiheit der Kantone übermässig einschränkt, ist ein gewichtiges Problem. Die Mogelpackung des Lehrplans 21 muss verhindert werden. Der Lehrplan 21 wird die Schule vollständig und definitiv umkrempeln. Sollte doch Bewährtes beibehalten, wenn nötig auch verbessert und gestärkt werden. Unsere Kinder sollen nicht ungewissen Experimenten ausgesetzt werden, wie etwa der Kompetenzorientierung oder der Individualisierung, wie Sina Bühler fälschlicherweise «zitiert». Denn längst nicht alles – man ist versucht zu sagen, kaum mehr etwas –, was über den grossen Teich kommt, ist gut. Fakt ist, dass diese Lernform, wie sie mit dem LP 21 umgesetzt werden soll, in Amerika für die Unterschichtskinder entwickelt wurde, damit die Schulen billiger werden. Vermögende Eltern schicken ihre Kinder in Privatschulen, die von engagierten Lehrkräften im Klassenunterricht geführt werden.

Denn die mangelkontrollierte Individualisierung wird u. a. im selbst organisierten oder altersdurchmischten Lernen umgesetzt und ist ein Hauptziel des Lehrplans 21. Jeder Schüler hat seinen eigenen Lernplan und arbeitet nach seinem eigenen Tempo die Kompetenzen ab. Wie die bekannte Hattie-Studie beweist, ist der geführte Klassenunterricht die effektivste Unterrichtsform. Bis vor wenigen Jahren war bei uns dieses pädagogische Ethos unbestritten, nicht zuletzt, weil die jungen Menschen in der Klasse den Gemeinsinn üben sollten, den sie in einer direkten Demokratie brauchen, wenn sie erwachsen sind.

Kantonsrat Dudli brachte das Problem HarmoS auf den Punkt: «Ein Austritt aus dem HarmoS-Konkordat ist der erste Schritt zu einer besseren Volksschule für unsere Kinder und zur freien, bundesverfassungskonformen Koordination unseres Kantons.

Holen wir dem Kanton St. Gallen die Zuständigkeiten im Bildungswesen zurück, verschaffen wir uns mehr Handlungsfreiheit und entledigen wir uns der Fesseln des HarmoS-Konkordates.»

Daniel Trappitsch, Buchs SG