Dieser Artikel von Hermann Lei ist erschienen in der «Schweizerzeit» 16 / 2016, Ausgabe vom 2. September 2016

Die Sprache prägt nach sozialistischer Auffassung bekanntlich das Denken, weshalb die Hochschule Luzern, die Universität Luzern und die Pädagogische Hochschule Luzern – wie vor ihnen schon der Bundesrat – Sprachanweisungen an ihre Studenten herausgeben.

Der «Leitfaden zur Gleichbehandlung von Frau und Mann in Sprache und Bild» für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Studierende und Dozierende auf dem Hochschulplatz Luzern will «Chancengleichheit und Gerechtigkeit» erreichen. Dies sei nur durch eine ausgeglichene Vertretung von Frauen und Männern auf allen Stufen und in allen Bereichen möglich.

Nieder mit dem generischen Maskulin!

Fortan ist es deshalb verboten zu schreiben, dass bei der Verwendung der männlichen Form Frauen mitgemeint seien. Die Verwendung maskuliner Personenbezeichnungen für beide Geschlechter, das sog. generische Maskulin wie z.B. «der Mensch», ist ebenfalls unerwünscht, da solche Formen die Präsenz von Frauen verschleiern würden.

Auf Namenslisten muss man sodann an der Hochschule Luzern fortan «Hannelore Amacher» schreiben; es gehe nicht an, das weibliche Geschlecht hinter «H. Amacher» zu verstecken. Der Leitfaden fordert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Studierende und Dozierende auf dem Hochschulplatz Luzern ausdrücklich zu aktiver Sensibilisierung auf. Das in einem Bereich untervertretene Geschlecht solle mit Erstnennung gefördert werden, damit alte Vorstellungen aufgebrochen werden. Also: «Wir suchen Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger». So könnten stereotype Muster durchbrochen werden: «Der soziokulturelle Animator Hans Würsch schöpft Suppe am städtischen Mittagstisch im Hort Hubelmatt.»

Die sterbenden Studierenden

Nebst der Sichtbarmachung des Geschlechts wird auch die umgekehrte Strategie propagiert: Das Verstecken des Geschlechts. Anstatt Student und Studentin muss fortan das geschlechtsneutrale «Studierende» verwendet werden. Was unsinnig ist, weil ein Studierender sich zum Studenten oder zur Studentin so verhält wie der Trinker zum Trinkenden.

Oder was ist nun ein «sterbender Studierender»? Studiert er – oder stirbt er gerade? Zumindest für die lebenden Studierenden wird jedenfalls in Luzern die Gefahr beseitigt, dass sich die Frauen von einer Einladung «Jedermann ist eingeladen, am Mittag in der Jazzkantine zu essen» ausgeschlossen fühlen könnten. Mit der Wendung «Alle sind am Mittag in die Jazzkantine eingeladen» dürfen sich alle und allinen an den Tisch setzen.

Auch die Formulierung «Behandlungen beim Zahnarzt sind in der Regel nicht versichert» kommt auf den Index, könnte sie für empfindliche Ohren ja bedeuten, dass Zahnärzte unter den Zahnärzten – pardon: Unter den «zahnärztlich tätigen Personen» – übervertreten sein könnten. Mit der Formulierung «zahnärztliche Behandlungen sind in der Regel nicht versichert» ist hingegen fortan an der Uni Luzern der politischen Korrektheit Genüge getan.

Manipulation durch Bilder

Alle die, welche ihre Semesterarbeit in geschlechtergerechter Sprache abgefasst haben, werden an der PH Luzern fortan trotzdem nicht mehr reüssieren, wenn nicht auch das Bildmaterial sorgfältig den herrschenden Verhältnissen angepasst wird: Beim Einsatz von Bildern und Fotos sei darauf zu achten, dass Frauen und Männer gleich häufig abgebildet und gleichwertig dargestellt werden. Gruppenfotos mit zum Beispiel ausschliesslich männlichen Kaderleuten oder ausschliesslich weiblichem Küchenpersonal sind bedingunslos verboten.

Ebenso ist es verboten, die sprachliche Gleichbehandlung durch Übertreibung lächerlich zu machen. Der hier in der «Schweizerzeit» abgedruckte Text dürfte folglich am Hochschulplatz Luzern nicht veröffentlicht werden.

Hermann Lei ist in Frauenfeld als Rechtsanwalt tätig. Er gehört der SVP-Fraktion im Thurgauer Kantonsrat an.