Leserbrief «Gegen Reformen», erschienen am 2. Mai 2016 im St. Galler Tagblatt. Bezugnehmend auf den Artikel «HarmoS ist erst der Anfang», Ausgabe vom 28. April 2016.

Als Vereinsmitglied der starken Volksschule St. Gallen möchte ich folgendes klar stellen: Nicht die Initianten der Initiative «Ja zum HarmoS-Austritt» wollen die Schule umkrempeln, sondern diese wurde bereits von den Schulreformern umgekrempelt! Seit den 90er-Jahren wurde unser bewährtes Bildungssystem systematisch auf den Kopf gestellt. Eine Expertengruppe der OECD stellte im Jahr 1990 die ausgezeichnete Qualität des Schweizerischen Bildungssystems fest. Ohne Not und zwingende Gründe wurde unser Schulwesen reformiert. Heute haben wir an den Schulen Selbstorganisiertes Lernen (SOL), Altersdurchmischtes Lernen (ADL), Lernlandschaften, Lernateliers und Coaches statt Lehrer. Natürlich sind auch wir mit unserem aktuellen Schulwesen nicht zufrieden. Immer mehr Schulabgänger sind nicht mehr in der Lage, fehlerfrei zu schreiben, immer mehr Kinder werden schulpsychologisch abgeklärt und erhalten Therapien, weil sie mit dem Unterrichtsstoff nicht zurechtkommen. Immer mehr Eltern leisten Nachhilfeunterricht für ihre Kinder, damit sie einigermassen im Unterricht mitkommen.

Mit Verbesserungen im Französischunterricht ist es nicht getan. Es geht um mehr, wir wollen diese Reformen nicht. Wir wollen nicht, dass diese mit dem Lehrplan 21 auch noch zementiert werden.

Gabriella Hunziker, Mühlrüti