von Jörg Meier, AZ Medien

Eines muss man der Volksinitiative «Ja zu einer guten Schule – Nein zum Lehrplan 21» zugutehalten: Sie hat die Diskussion um die konkrete Ausgestaltung des Lehrplans 21 für den Kanton Aargau ordentlich in Gang gebracht. Was sie aber selbst bei einer Annahme durch das Volk nicht kann: Sie kann den Lehrplan 21 nicht verhindern. Denn der ist bereits da, als Auftrag der Bundesverfassung nach der Volksabstimmung im Jahre 2006. Die Kantone müssen bei der Schulharmonisierung mitmachen, aber sie können den Lehrplan 21 nach ihren Bedürfnissen «kantonalisieren».

Der Aargau gibt sich dafür Zeit bis zum Schuljahr 2020/21. Die Initiative würde, falls sie vom Volk angenommen wird, durch ihre restriktiven Forderungen den Aargau bei der adäquaten Umsetzung empfindlich einschränken und behindern.

Deshalb ist es nur verständlich, dass der Regierungsrat erst, wenn das Volk über die Initiative entschieden hat, die konkrete Umsetzung des Lehrplans 21 angehen wird. Und es leuchtet ein, dass die grosse Mehrheit im Grossen Rat keine Lust auf eine einschränkende Ausgestaltung der konkreten Umsetzung hat und deshalb die Initiative ablehnt.

Unbestritten ist, dass die kritische politische Auseinandersetzung mit dem Lehrplan 21 und dessen konkrete Umsetzung für den Aargau noch aussteht. Sie kann dann produktiv geschehen, wenn die auf Verhinderung angelegte Initiative vom Tisch ist und damit alle Involvierten das haben, was sie sich wünschen: freie Sicht auf den Lehrplan 21.

© Aargauer Zeitung, 29.06.2016

******************************************

Kommentar von Peter Aebersold dazu:

Im Bildungsartikel (Artikel 62) der Bundesverfassung steht nichts von einem Lehrplan, es werden nur Ziele von Bildungsstufen genannt. Die einzige gesetzliche Grundlage des LP21 ist dünn, sie ist eine blosse Verwaltungsvereinbarung der D-EDK, mit der die kantonalen Parlamente umgangen werden konnten. Für Hans Zbinden, den Vater des Bildungsartikels in der Bundesverfassung, hat der Lehrplan 21 die Grundidee der Bildungsverfassung nicht erfasst. Der Lehrplan hätte den Kantonen lediglich einen Rahmen liefern sollen.

Die EDK habe jedoch den Top-Down-Ansatz gewählt und Werte vorgegeben. Die Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) hat im Jahr 2010 die „Grundlagen für den Lehrplan 21“ . genehmigt und damit den radikalsten Systemwechsel in der Geschichte der Volksschule beschlossen. Die umstrittene Kompetenzorientierung des LP21 beruht auf dem konstruktivistischen Lehr- und Lernverständnis und verlangt als alleinige „zeitgemässe“ Methode das umstrittene „selbstgesteuerte Lernen“.