Medienmitteilung zum Entscheid der Landsgemeinde Appenzell-Innerrhodens

Am Sonntag, 24. April 2016, behandelte die Landsgemeinde des Halbkantons Appenzell-Innerrhoden eine Einzelinitiative zum Lehrplan 21. Die Promotoren dieses umstrittenen bildungspolitischen Reformprojekts verkaufen die Ablehnung der Initiative «Für eine starke Volksschule» unverfroren als ersten Etappensieg für den Lehrplan 21, über dessen Einführung in den kommenden Monaten in diversen Kantonen an der Urne abgestimmt werden wird. Was diese Kommentatoren offensichtlich ausblenden: Landammann Inauen versicherte den Bürgern ausdrücklich, der Lehrplan 21 werde «in moderater, eigenständiger Form umgesetzt». Man werde der hiesigen Kultur und Tradition sowie den christlichen Werten verpflichtet sein.

Im Vorfeld der Landsgemeinde fanden Gespräche mit Paul Bannwart – dem Initianten der Appenzeller Einzelinitiative – statt, wobei der Regierungsrat diesem klar versicherte, die Stossrichtung der kompetenzorientierten Umpflügung der Volksschule, wie sie die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) schweizweit anstrebt, werde in Appenzell-Innerrhoden nicht mitgetragen. Paul Bannwart teilte sodann mit, aufgrund dieser Erklärungen seine Einzelinitiative zurückzuziehen. In einem Communiqué hielt er am 24. März 2016 fest:

«(…) Mir wurde auch versichert, dass für den Unterricht keine Absicht besteht, das selbstgesteuerte oder individualisierte Lernen gegenüber anderen Methoden zu bevorzugen. Meine Befürchtung, dass die Schulzimmer in sogenannte Lernlandschaften umgestaltet werden müssen, in welchen die Schüler mit Hilfe des Computers oder anderer durch die Lehrperson bereitgestellter Mittel für sich alleine lernen sollen, stellte sich als unbegründet heraus. Die Lehrpersonen werden weiterhin für die Klassenführung verantwortlich sein. Eine Veränderung der Lehrerrolle in Richtung eines hauptsächlich begleitenden Coachs sei nicht vorgesehen. (…)»

Die Aktion Bildungs-Kompass ruft in Erinnerung, dass Appenzell-Innerrhoden dem HarmoS-Konkordat nach einem klaren Volksentscheid nicht beigetreten ist und sich folglich den «Bestimmungen zur Dauer und zu den Zielen der Bildungsstufen, zum Sprachenunterricht sowie zu Blockzeiten und Tagesstrukturen» nicht verpflichtet fühlt. In klarem Gegensatz zur Doktrin der EDK verzichtet Appenzell-Innerrhoden deshalb auch auf den frühen Fremdsprachenunterricht, indem die zweite Fremdsprache erst ab der Oberstufe (und nicht auf der Primarstufe!) unterrichtet wird.

In diesem Zusammenhang von einem «Erfolg für den Lehrplan 21» zu sprechen, ist eine mutwillige Irreführung der Schweizer Öffentlichkeit. De facto geht Appenzell-Innerrhoden einen eigenen Weg und lässt die Zentralisten der EDK links liegen.

>> Lehrplan 21. Stand in den Kantonen

Aktion Bildungs-Kompass

 

26.04.2016 | 702 Aufrufe