Leserbrief von Hanspeter Amstutz, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. Juli 2016

Der Lehrplan 21 ist übers Ziel hinausgeschossen. Kaum jemand bestreitet die nötigen Harmonisierungsziele wie einheitliche Schulstrukturen, verbindliche Bildungsziele für jede Schulstufe und eine Festlegung des Auftrags der Volksschule. Dafür genügt ein gut verständlicher Rahmenlehrplan, der verbindlich ist für alle Kantone. Der Lehrplan 21 ist nun aber ein Koloss, der engmaschig alles regeln will und einen unsinnigen Glauben an die Steuerungsmöglichkeiten einer Bildung von oben vertritt.

Da nützt es nichts, dass nun behauptet wird, der neue Lehrplan sei nur ein Kompass. Bereits haben die Pädagogischen Hochschulen begonnen, die unausgegorenen Ideen aus dem neuen Bildungskompass in der Ausbildung zu vermitteln. Wohin dies führt, wenn Lehrpersonen in erster Linie als Coachs die Schüler begleiten und selbstorganisiertes Lernen zum Standard wird, zeigen höchst umstrittene Experimente an einigen Schulen.

Dringend nötig ist eine offene Diskussion über den Auftrag der Volksschule. Damit ist nicht gemeint, dass in einer Detailberatung im Kantonsrat um Lehrplanelemente gestritten werden soll. Es geht um Eckwerte der Bildung und die Rolle der Lehrpersonen im Unterricht. Die Ablehnung des Lehrplans 21 durch acht kantonale Volksinitiativen ist die Folge von viel Geheimniskrämerei in der Erziehungsdirektorenkonferenz rund um den Bildungsauftrag. Jetzt muss auf kantonaler Ebene das Versäumte nachgeholt werden. Die Schule benötigt einen gut verständlichen Lehrplan mit anerkannten Bildungszielen. Diese Grundfrage geht das Volk sehr wohl etwas an.

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf