Leserbrief von Scharegg Viktor, erschienen in der «Südostschweiz» vom 1. Juli 2016.

Es fehlend Lernende in handwerklichen Berufen – auch in der Gebäudetechnikbranche. Die Ursachen hauptsächlich bei den Verbänden zu suchen ist jedoch zu einfach. suissetec investiert seit Jahren sehr viel Engagement und Geld in die Information und die Verbesserung des in Berufsimages. Die erwähnten Karriereleitern stehen auch in unserer Branche zur Verfügung. Im Artikel von vergangenem Mittwoch zur Thematik fehlt ein entscheidender Punkt. Es ist neben all den genannten Punkten auch entscheidend, was in der Volksschule passiert.

Leider spielt die Bildungspolitik der Entwicklung, dass handwerkliche Berufe je länger je weniger gefragt sind, in die Hände. In der Volksschule werden handwerkliche Fächer immer mehr an den Rand gedrängt. Die Schule verliert damit ihre wichtige Aufgabe, den Kindern und Jugendlichen den Wert der Hände zu vermitteln. Natürlich braucht es auch mathematische Fähigkeiten, um ein technisches Handwerk mit Freude ausführen zu können. Dennoch frage ich mich immer wieder: wie sollen unsere Kinder in Zukunft überhaupt noch auf die Idee kommen, einen Beruf wie Spengler zu erlernen, wenn sie nie mit Metall experimentieren und so das Material kennenlernen konnten? Es ist erwiesen, dass beim Eintritt in die Oberstufe rund 70% der 12- bis 13-jährigen bereits entschieden haben, in welche Richtung ihre Berufswahl gehen wird; ob es eher technisch, kaufmännisch oder akademisch weitergehen soll. Die Abwertung der Hände beeinflusst diesen Entscheid – zu Ungunsten der technischen Berufe. Wir sind heute bereits so weit, dass wir als Berufsverband der Gebäudetechnik den Kindern selber Möglichkeiten bieten müssen, sich vor der Berufswahl technisch-tüftelnd auszuprobieren. Denn es ist nicht nur für unseren Berufstand zentral, dass die Kinder eine echte Wahl haben, wenn es um die Berufswahl geht. Um auch in Zukunft all das zur Verfügung zu haben, was uns wichtig ist – wie zum Beispiel fliessendes Wasser in den Häusern, das nach Bedarf warm oder kalt ist – müssen die zukünftigen Sprösslinge nach ihren Talenten einen Beruf auswählen können. Ich beobachte immer häufiger, dass sich Kinder schon früh an den Wünschen und Vorstellungen der Eltern orientieren, vor allem wenn es um eine akademische Laufbahn geht. Kinder, die dem Druck schulisch nicht gewachsen sind, machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Das ist falsch. Kinder sollen unbeschwert aufwachsen und sich ihren Talenten entsprechend für einen Berufsweg entscheiden können.

Viktor Scharegg
Inhaber/Geschäftsführer G. Brunner Haustechnik AG, Domat/Ems
Vizepräsident des Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverbandes