Leserbrief zu «Gewinn fliesst in Vorfinanzierungen Ausgabe vom 11. Februar 2016»

An den Oberuzwiler Schulen soll die Informatik-Infrastruktur für 1,9 Millionen Franken erneuert und erweitert werden. Laut Gemeinderat sei die heutige IT-Ausrüstung in die Jahre gekommen und genüge den Ansprüchen nicht mehr. Welchen Ansprüchen muss diese Ausrüstung in einer Schule genügen? Sind die Lehrerinnen und Lehrer in den Evaluationsprozess einbezogen worden?

Gemäss dem Leiter Volksschule, Gallus Rieger, haben die neu anzuschaffenden Geräte eine Lebenserwartung von 4 bis 6 Jahren. Das bedeutet doch im Klartext, dass jeweils spätestens nach 6 Jahren eine Million Franken für die Erneuerung der Geräte aufgewendet werden muss, da sie ja dann nicht mehr genügen werden. Es kann doch nicht sein, dass den Schülern jeweils die neuesten Geräte zur Verfügung gestellt werden müssen. Wohlverstanden, ich bin nicht gegen eine mass- und sinnvolle Verwendung von Computern im Unterricht.

An dieser Stelle sei auf den Beitrag von Mario Andreotti, Fachhochschuldozent für Neuere deutsche Literatur, aus der Wiler Zeitung vom Montag, 15. Februar, hingewiesen. Eine Lektüre des vollständigen Textes lohnt sich. Daraus zitiere ich folgende Passage: «Mit der Gerätebegeisterung wird, oftmals sehr direkt, die Botschaft vermittelt, das Lernen mit digitalen Medien gehe einfacher, schneller, besser.» Und für Leute, die an Pisa-Tests glauben, sei eine weitere Textstelle zitiert: «Einen besonders betrüblichen Befund steuerte der grosse Pisa-Leistungstest <Schüler online> vor gut sechs Jahren bei: Die Mehrheit der Probanden war, trotz dem schulischen Einsatz von Computern, nicht in der Lage, digitale Texte adäquat zu lesen und Informationen aus dem Internet auszuwerten.»

Schülerinnen und Schüler müssen vor allem das Lernen lernen. Sie müssen willens sein, Widerstände durch harte Lernarbeit, was nicht immer lustvoll ist, zu überwinden; denn ohne Anstrengung geht es nicht. Die Vorbereitung auf den Eintritt in weiterführende Schulen oder auf eine Berufsausbildung geschieht nicht in erster Linie durch die Bereitstellung von Informatik-Infrastruktur. Sie geschieht durch motivierte Lehrpersonen, die mit Freude unterrichten und die in ihrer Arbeit von einem motivierten Schulrat unterstützt werden.

Roland Schluchter, Oberuzwil

Erschienen in St. Galler Tagblatt, 18. Februar 2016