Leserbrief erschienen am 12. Dezember 2015 im «Zürcher Oberländer»

Eine halbe Milliarde Franken wollen die Kantone in den nächsten drei Jahren bei der Bildung sparen, und in mancher Zürcher Oberländer Gemeinde sollen die Bildungsausgaben spürbar reduziert werden. Eine erste Reaktion auf diese Ankündigungen ist eine verständliche Empörung, denn Bildung ist bekanntlich unsere beste Investition in die Zukunft. Mehr Geld für die Bildung entspricht durchaus meinem Credo, aber ich finde eben auch den Umkehrsatz richtig: mehr Bildung fürs Geld.

Ineffiziente Integration

Für die Führung eher kleiner Klassen und von Halbklassenunterricht in einzelnen Fächern sind Investitionen sinnvoll. Auch die Löhne der Lehrer bis hin zu denjenigen der Kindergärtnerinnen müssen konkurrenzfähig bleiben. Andererseits darf man ruhig hinterfragen, ob der riesige Aufwand für gewisse fragwürdige gesellschaftliche Ansprüche gerechtfertigt ist. Dazu gehören der ineffiziente frühe Unterricht in zwei Fremdsprachen oder die Integration verhaltensschwieriger Schüler in die Regelklassen. Was da an Geld für Stützkurse und für Stabilisierungsprogramme benötigt wird, fehlt andernorts.

Wenn eine grosse Zahl von Kindern innerlich nicht bereit oder überfordert ist, in der Primarschule drei Sprachen nebeneinander zu lernen, sind Förderkurse eine kostspielige Fehlinvestition. Kaum viel besser läuft es beim punktuellen Einsatz von Heilpädagogen in Regelklassen bei der Einzelbetreuung von extrem verhaltensauffälligen Schülern. Am Prinzip der Integrierbarkeit aller Schüler in die Regelklassen wird oft stur festgehalten, bis die Situation in einer Klasse eskaliert und nur noch eine teure Lösung mit einer Sonderschulung übrig bleibt.

Ein Stab fürs Controlling

Doch wir machen weiter fröhlich mit: Der neue Lehrplan braucht umfangreiche Weiterbildungen der Lehrpersonen und einen ganzen Stab fürs aufwendige Controlling. Dabei wird wohlweislich verschwiegen, dass mit der umstrittenen Akzentverschiebung vom eigentlichen Lehrer zum Lerncoach und dem Modell des altersdurchmischten Lernens weitere hohe Kosten anfallen dürften.

Oft reichen Mittel nicht

Begründet werden die Ausgaben stets mit der Behauptung, die Schule mache mit der Neuerung einen entscheidenden Fortschritt. Damit kommt man meist durch, auch wenn sich oft rasch herausstellt, dass die bewilligten Mittel nicht ausreichen, um die grossen Versprechungen einlösen zu können. Mit dieser Art von Bildungspolitik geben wir den allzu Knausrigen wunderbare Steilpässe, um bei der Bildung wirklich den Geldhahn zudrehen zu können.

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf