Leserbrief von Walter Meier, Hergiswil NW, erschienen in der Neuen Luzerner Zeitung am 25. Februar 2008.

Auch Lehrer sollen machen, was andere machen müssen! Sich einlassen auf Neuerungen, sich einlassen auf Umstrukturierungen. AIles klar, nichtsdestotrotz, die Sinnfrage soll erlaubt sein: Einschulung mit 4 Jahren. «Verhaltensauffällige» Schüler werden zu «verhaltensoriginellen». Aus dem kompakten, handgeschriebenen Zeugnis wird eine Ansammlung von losen A4-Blättern in Plastikhüllen. Das Lehrerseminar wird zur Pädagogischen Hochschule. Manche mögen diese Auswüchse der «Akademisierung» begrüssen, ich nicht. Nun wird auch noch die Werkschule (Niv. D) in die Realschule (Niv. C) eingebunden. Schüler, für die eine individuelle Förderung in der Kleingruppe unabdingbar ist, die grösstenteils über die Beziehung zur Lehrperson zum Lernen finden, werden in einen mindestens doppelt so grossen, anonymen Klassenverband integriert.
Abseits vom schulischen Alltag diktiert das Bildungsdepartement, was an der Basis nicht verstanden wird. Die Kosten steigen. Die Qualität? Als «Schule mit Zukunft» definiert man von oben herab solch wunderliches Tun. Was soll ich machen? Gute Miene zum bösen Spiel? Runterwürgen, was ich nicht verdauen kann? Ablehnen, mit der Konsequenz auf Stellensuche zu gehen?
Übrigens, ich stehe mit meiner Meinung beileibe nicht einsam in der Bildungslandschaft. Nur eben, wer äussert in der Öffentlichkeit Bedenken, wer redet Klartext, wenn er in der Folge als «ungehorsam» an den Pranger gestellt wird...

Walter Meier, Hergiswil